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Weihnachten 2018

Am 10. Dezember 2018 veranstalteten die Mitarbeiter von Greensun Uganda eine kleine Weihnachtsfeier mit allen Kindern von Greensun Uganda.

Mit dem Geld, das Stephanie, ihre Mama und Klara am Weihnachtsmarkt in Sandl durch den Verkauf selbstgemachter Salben, Seifen, Ketten und Kleidern eingenommen hatten, konnte Geld für ein gemeinsames Weihnachtsessen organisiert werden.

Ein alter Gockel, der von den Kindern liebevoll „Mr. Chicken“ genannt wurde, musste aber bedauerlicherweise sein Leben lassen, da die Kinder bisher kaum die Möglichkeit bekommen hatten, Hühnchen zu kosten. Sie freuten sich deshalb sehr, als Ronnie, einer der Mitarbeiter, mit einem lebendigen Huhn daher kam. Die Kinder schlachteten den Hahn selbst, warfen ihn in den Topf, bereiteten auch die Beilagen vor und schmückten die Räume mit Ballons. Alle waren gut gelaunt und lachten viel, obwohl es stark regnete.

Als alle bereit für das Essen waren, setzten sie sich gemeinsam zu Tisch und genossen das große Festmahl. Es gab auch Spagetti, Reis, Brot, Milch, Bananen, Mineralwasser und Obst.

Anschließend bekam jedes Kind ein kleines Geschenk mit Maiskolben, Zucker, Tee und Hygieneartikel darin.

Manche Kinder bekamen zudem Schuhe, einen Rucksack oder eine neue Matratze, wenn etwas davon dringend  benötigt wurde.

Sie veranstalteten noch weitere lustige Spiele, ehe der Abend hereinbrach und sie  wehmütig heimkehren mussten.

Weihnachten 2017

Zu Weihnachten bekamen unsere mittlerweile 44 Kinder ein kleines Säckchen. Darin befanden sich landesübliche Süßigkeiten, Zucker, Seife und Obst, die ihnen unsere Mitarbeiter in Uganda überreicht haben. Die Kinder freuten sich sehr und wünschten ihren Paten alles Liebe und frohe Weihnachten. Einige von ihnen haben auch Briefe an sie geschrieben, die hoffentlich bald ankommen werden.

Auch wichtig zu erwähnen ist es, dass die Firma „Blumen und Ideen“ aus Pregarten unserer Organisation ein großes Geschenk gemacht hat. Statt den Mitarbeitern Kleinigkeiten zu kaufen, haben sie sich gemeinsam entschlossen, eine ehrenamtliche Organisation zu unterstützen.  Sie spendeten 1000 Euro für unsere Kinder!

Wir bedanken uns von ganzen Herzen für diese großzügige Spende! <3

Ein tragischer Unfall

Anfang August hat sich leider ein tragischer Unfall in der Nähe von Wairaka ereignet. An die sechzig Menschen waren mit einem brüchigen Truck auf dem Weg zu einem Begräbnis. Die Achse des Fahrzeuges brach jedoch sehr bald und es stürzte einen steilen Abhang hinunter. Dreizehn Menschen starben bei diesem Unglück. Unter den Todesopfern war die Stiefmutter unseres Direktors in Uganda (Farouk Mukisa).

Die restlichen Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.Viele der Opfer mussten sogar operiert werden. Farouks Mutter brach sich mehrere Knochen. Auch seine Geschwister und Cousins/Cousinen waren betroffen und mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Kinder bekommen neue Matratzen

Viele unserer Kinder leben leider noch immer in kleinen, dunklen Kammern, die kaum Platz für einen angemessenen Schlafplatz bieten. Auch sind viele Matratzen schon sehr alt und von Ungeziefer zerfressen. Man kann diese sehr gut auf den folgenden Fotos sehen (darauf ist Vivian mit ihrem Bruder zu erkennen).

Wir haben von den Spendengeldern nun sechs neue Matratzen besorgt, die den Kindern sichtlich Freude bereiten. Eine bekam Vivian, die anderen fünf erhielten Magdalena, Christina, Juliet, Sylvester und Joseph.

Eine Mutter sagte: „Ich danke den fremden Menschen aus Österreich sehr. Sie kennen uns nicht und schenken uns dennoch so viel!“

Man sieht, dass selbst Kleinigkeiten viel bewirken können!

Ein herzliches Danke hier an unsere SpenderInnen! <3

Neues Business: Motorrad fahren

Heute haben wir uns ein Motorrad (auch Boda Boda genannt) gekauft, damit unsere Crew in Uganda selbstständig Geld verdienen kann. Menschen in Uganda verwenden Motorräder als Taxi und setzen sich oftmals zu dritt oder viert darauf. Bald schon wird ein zweites Boda folgen. Die Verhandlungsgespräche laufen!

Hairat musste ins Krankenhaus

In dieser Woche wurde Hairat schwer krank. Sie trank versehentlich ungekochtes Wasser und infizierte sich mit Typus. Leider ist es nicht üblich in Uganda, sofort ins Krankenhaus zu fahren, da sich niemand die Kosten dafür leisten kann. Alle leben mehr oder weniger nach dem Motto: Überleb oder stirb!

So kam unsere Hilfe beinahe zu spät, da unsere Jungs erst sehr spät erfuhren, dass Hairat krank war (ihre Mutter hat kein Handy und wollte Hairat nicht alleine lassen).

Erst als Patrick ihnen einen Besuch abstattete, wurde er über der Krankheit informiert.

Sofort brachten er sie ins Krankenhaus, wo ihr Infusionen mit Antibiotika verabreicht wurde. Ihre verzweifelte Mutter begleitete sie und wollte das Kind keinen Augenblick alleine lassen.

Hairats Lage stabilisierte sich allmählich und schon nach zwei Tagen konnte sie das Krankenhaus verlassen. Mittlerweile ist sie wieder ganz gesund und kann wieder in die Vorschule gehen.

Viele Kinder

Am Tag darauf (es war Montag), besuchte ich gemeinsam mit einem anderen Mitglied von der Organisation (Felix) die selbsterbaute Schule in Bugiri. Felix war ein netter Mann, der verheiratet war und bereits eine kleine Tochter hatte. Er war bescheidener als David. Ich erfuhr, dass sich die Männer nicht sonderlich gut leiden konnten. Mir kam es beinahe so vor, wie wenn mich Felix von David fernhalten wollte (auch David war nicht sehr begeistert, dass ich mit Felix wegfuhr). Dieses Gefühl war mir unheimlich und man merkte mir vermutlich diese Verstimmung an.

Lange fuhren wir auf einsamen Straßen und Wegen, bis wir drei Stunden später, endlich das Ziel erreichten. Die Schule, in die ich gebracht wurde, bestand bloß aus alten Ziegeln. Die Räume waren viel zu groß. Es wurden vier Klassen gebaut (statt sieben). Es gab kein Wasser oder Strom. Die schätzungsweise 100 Schüler stürmten neugierig herbei, um mich zu betrachten. Viele von ihnen umarmten mich wild und stürmisch. Ich musste lachen. Sie sangen mir ein Begrüßungslied und zeigten mir fröhlich das Schulgebäude, während sie nach meiner Hand griffen und mich davonzogen.

Danach verbrachte ich etwa eine Stunde in der Vorschule, um zu hospitieren. Darin waren etwa 40 Kinder. 10 davon schliefen. Hefte oder Stifte hatten leider nur die wenigsten. Ein Kind war viel zu jung, um die Vorschule zu besuchen. Es war vielleicht drei oder vier. Es war schüchtern und weinte, wenn man es ansprach. Die Lehrerin, die eigentlich gar keine ausgebildete Lehrerin war, machte ihre Sache gut, doch war es unmöglich, alleine in einer solchen Klasse zu unterrichten. Dann besuchte ich die anderen Klassen und machte mit den Kindern viele Fotos (sie waren echt geil nach Technik).

Ich erfuhr in der Mittagspause, dass alle Lehrkräfte, die unterrichteten, keine ausgebildeten Lehrer waren. Felix’ Schwester, die als einzige eine Lehrerin war, wurde dafür bezahlt, dass sie den anderen das Unterrichten beibrachte. Ich unterhielt mich mit ihnen und sie sagten mir, dass sie sehr unzufrieden hier wären und keine Materialien zur Verfügung gestellt bekämen.

Die restlichen Tage verbrachte ich mit den Kindern aus der Organisation. Ich lernte ihnen das Einmaleins oder stellte ihnen andere Matheaufgaben. Dafür hatte ich extra ein Hunderterfeld von Zuhause mitgebracht, damit sie die Zahlen auf einen Blick erkannten. Die Kinder waren leider nicht sehr gut, doch gab ich nicht so schnell auf. Wir spielten deshalb verschiedene Ballspiele, bei denen ich ihnen weiter Rechnen beibrachte. Wenn sie einmal erschöpft waren, spielten wir andere Spiele, bei denen sie sich austoben konnten und nicht denken mussten. Einmal zogen sie mir einen alten Handwerkeranzug von Ronald an, was sie unglaublich lustig fanden. Danach wollten sie alle den Anzug anprobieren. Sie zeigten mir auch Handstände, schlugen Räder oder kletterten auf hohe Bäume.

Eines Tages meinte ich, dass sie sich im Vorgarten einfinden sollten, da ich eine kleine Überraschung für sie hätte. Neugierig kamen sie und staunten über die Schätze, die ich für sie mitgebracht habe. Es war in den ersten Tagen kaum Zeit, deshalb hob ich mir die Überraschung für später auf (dann wenn sie es am wenigsten erwarteten! Muhahaha). Sie freuten sich sehr über die ausgebreiteten Kleinigkeiten, die ich vorhin schon kurz erwähnt hatte. Stifte, Blöcke, Hefte, Radiergummis, Lineale, Scheren, Kleber, Spiele, Schnüre, Schminksachen, Seifenblasen etc. hatte ich  auf einer kleinen Decke ausgebreitet. Sie kamen näher, betrachteten alles und freuten sich sehr darüber. Sie umarmten und küssten mich und vergaßen mich sogleich, da sie sich in die Spiele vertieften. Ich erklärte ihnen Domino, da sie dieses Spiel nicht kannten.

Farouk schnappte sich einen Block und begann zu zeichnen. Er kann es sehr gut. Er genoss die Anerkennung von den Kindern, wenn er die Zeichnungen herzeigte. Viele Aaaahhhs und Oooohhs und Woooows waren dann zu hören! Es war ein feiner Tag.

Doch leider auch schon einer meiner letzten in diesem Sommer. Doch viele weitere werden hoffentlich noch folgen…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wunderbare Menschen

Am nächsten Morgen trafen wir uns erneut für weitere Gespräche (nun schon mit Notizblock und Stift). Auch stand zum Thema eine Augenoperation, die Isaac dringend benötigen würde, um nicht vollkommen blind zu werden. Ich meinte, dass ich auch dafür aufkommen möchte, bevor wir weiteren Kindern helfen. Isaac war empört über diesen Vorschlag und meinte:

„Was? Das kannst du den Kindern nicht antun. Sie brauchen Bildung. Ich jedoch brauche keine Augen. Ich war bereits mein halbes Leben blind. Kümmern wir uns doch bitte zuerst um die Kinder, danach um mich!“

Ich hoffte, dass er mein Gesicht nicht erkennen konnte, da ich den Tränen nah war. Ich habe niemals zuvor einen Menschen kennengelernt, der so selbstlos handelte wie Isaac. Ich konnte es kaum glauben. Diese Worte brachten mich dazu, ihnen in nur wenigen Tagen ein seltenes, sehr starkes Vertrauen entgegenzubringen. Ich war glücklich und fühlte mich beinahe wie Zuhause.

Später machte mir Mary, ein 16-jähriges Mädchen, das ebenfalls in der Organisation lebte, Rastazöpfe. Es tat unglaublich weh, denn sie flocht mir ganz fest schwarze Wolle in die Haare. Andere Kinder halfen ihr eifrig. Zwar war ihr Englisch nicht gut, doch fragte ich sie dennoch nach ihrer Familie und warum sie hier leben würde. Sie erzählte mir von ihrer HIV-kranken Mutter, die schon sehr lange mit dieser Krankheit leben musste und vermutlich nicht mehr sehr lange zu leben hätte, da sie jeden Tag schwächer werden würde. Mary blieb trotz dieses Wissens gefasst und flocht heiter weiter, bis meine Haare, die normalerweise sehr fein waren, aus dicken Würsten bestanden. Es gefiel mir, auch wenn ich mich anfangs nicht wiedererkannte, als ich in den dreckigen Spiegel schaute. Natürlich wollte ich Mary für ihre Arbeit bezahlen, doch sie meinte, dass ich das Geld lieber ihrer Mutter geben sollte. Gleich danach fuhren wir mit Mopeds in das nächstgelegene Dorf, wo ihre Mutter lebte. Die Gegend war von Plastikmüll umgeben. Zudem stank es bestialisch nach Abfällen und Abgasen.

In einer kleinen Hütte, die eng an andere Hütten grenzte, saß auf dem Boden eine alte, dürre Frau, die mit langsamen Bewegungen ein Mädchen kämmte. Im kleinen Raum, der finster und sehr unsauber war, stand ein Divan, auf dem nachts fünf Leute schliefen. Dies war auch der Grund, warum Mary in der Organisation untergebracht war. Es war einfach zu wenig Platz in dieser schäbigen Hütte. Mary konnte ihre Familie aber jederzeit besuchen, ohne ihnen Platz wegzunehmen. Es gab kein Fenster, bloß eine Tür, die von einem zerrissenen Vorhang verdeckt wurde. Tabletten lagen auf einem kleinen Holzregal, auch gab es einen Korb mit Bananen und einen Wasserkanister. Ich fragte die Frau, wie viel sie denn benötigen würde, damit sie sich genügend Nahrungsmittel für ihre Kinder leisten konnte und sie nannte mir einen Preis und ich überreichte ihr das Geld (die HIV- Medikamente und die Schulbildung ihrer Kinder bekam sie größtenteils von einer Organisation bezahlt, dennoch reichte das Geld nicht, denn die Kinder und sie waren mager und unterernährt). Sie umarmte mich und wir beteten gemeinsam ein Gebet, dessen Worte ich nicht ganz verstand. Der Sinn war mir jedoch bewusst. Sie betete für die Gaben, die sie von mir bekam und für das Seelenheil ihre Kinder (Mary bestätigte mir den Sinn). Sie umarmte mich erneut und dankte mir in ihrer Sprache.

Danach gingen Mary und ich in die katholische Kirche. Dort sang man anfangs mehrere heitere und aufbauende Lieder, ehe eine Gruppe von niederländischen Missionaren auf einem Whiteboard erklärten, was Gott und Jesus bedeuten würden und was sie alles erschaffen hätten. Sie sprachen über Liebe, Gerechtigkeit und Tod und darüber, dass man niemals den Glauben an Gott verlieren dürfe. Auch wenn Armut, Tod und Krieg über sie hereinbrechen sollte, darf man nicht aufhören zu glauben. Die Menschen jubelten. Später banden sie das Publikum ein, nachdem sie die Frage stellten, was eigentlich Gott für sie alle wäre. Die Menschen antworteten mit Worten wie Liebe, Wahrheit, Gerechtigkeit, Feuer, Glaube, Friede, etc. Alle applaudierten. Man sang weitere Lieder, ehe man die Kirche verließ. Ich war sehr ergriffen, nachdem ich diese eigentümliche Zeremonie verlassen hatte. Es war schön, wenn auch manipulativ. Es half den Menschen sehr, ihr bescheidenes Leben zu akzeptieren.

 

 

 

Die Idee von Green Sun Uganda

Am nächsten Tag saß ich vor meinem Zimmer im Freien und trank Kaffee. Ich bat Farouk und die anderen, mit mir eine Tasse Kaffee zu trinken. Sie waren begeistert, dass ich Trockenmilch und Kaffeepulver bei mir hatte und gesellten sich schnell zu mir. Gierig löffelten sie die Milch in die Plastikbecher und übergossen sie mit heißen Wasser. Die Hausmutter servierte uns kleine Bananen. Es war etwas verregnet, doch friedlich.

Bald fiel mir ein kleiner Junge auf, der mich flüchtig begrüßte und schnell wieder verschwand. Er hatte einen deformierten Kopf und unnatürlich gebildete Ohren. Ich fragte Isaac, warum er denn nicht in der Schule wäre, wie alle anderen Kinder zu dieser Zeit. Isaac erklärte mir, dass viele Menschen in Uganda nicht auf ihn reagieren würden, da behinderte Kinder in Uganda keine Chance hätten und ohnehin früher oder später betreut werden müssten bzw. betteln oder sterben müssten. Zudem könnte es sich keiner leisten, ihn in eine Schule zu schicken, da eine Sonderschule das Fünffache von einer normalen Schule kostete. Ich war entschlossen, dies nicht auf mir sitzen zu lassen. Martin, so sein Name, sollte ebenso eine Chance erhalten wie alle anderen Kinder. Ich teilte dies den Guys (so nannte ich die jungen Männer) mit und sie waren begeistert. Wir unterhielten sich darüber, eine gute und angemessene Schule für ihn zu finden. Farouk und Isaac erzählten mir auch, dass sie ab und zu Essen für Kinder sammelten, die es dringender benötigten als sie. Sie brachten es dann ins Dorf und spendeten es armen Menschen.

Wir fuhren einen Tag später mit den Mopeds (es war völlig normal, dass drei bis vier Menschen gemeinsam darauf saßen) zu einer Sonderschule, die sich jedoch ausschließlich um geistig beeinträchtigte Kinder kümmerte. Die Direktorin meinte, dass diese Schule nicht die richtige für Martin wäre, da er geistig gesund war. Schließlich war Martin nur seh- und hörbeeinträchtigt. Sie gab uns daher eine Adresse für eine Schule, die für gehörlose Kinder in Jinja gegründet worden war. Da ich an diesem Tag leider nicht mit den Jungs mitfahren konnte, sollten sie eigenständig Fotos machen und mir von der Schule berichten. Währenddessen führte ich Interviews für meine Masterarbeit durch (über Mikrokredite).

Als wir uns am Abend wieder trafen, schwärmten sie von der Schule in Jinja. Sie meinten, dass es absolut der richtige Ort für Martin sei. Mitgebracht hatten sie auch eine Liste mit Dingen, die Martin für jedes Trimester benötigen würde.Darauf stand unter anderem: Bücher, Toilettenpapier, Bleistifte, Plastikbecher, Plastikteller, etc. Auch sollten wir eine Matratze, eine Decke und einen Polster, eine Waschschüssel und ein Moskitonetz besorgen.

Am nächsten Tag kauften wir die oben genannten Dinge in der Stadt und brachten sie vorübergehend in das Zimmer von Isaac und Farouk, damit Martin nichts mitbekommen würde (es sollte eine Überraschung sein, da er schon seit langer Zeit davon träumt, eine geeignete Schule besuchen zu dürfen).

Den Tag darauf überraschten wir also Martin mit der Nachricht, dass er nun in die Schule gehen dürfe. Da Martin meistens bei seiner Schwester lebte, waren sie sehr froh, dass er endlich ein Internat besuchen durfte, da seine Schwester sich nicht gewachsen fühlte, für ihn aufzukommen. Sie war eine „Verrückte“ (so nannten sie die Menschen, die nicht diagnostizierte, psychische Krankheiten hatten. Psychiater und Therapeuten gab es für normale Menschen nicht).

Er und die anderen brachten ihn am Montag in die Schule und ich besuchte ihn einen Tag darauf. Und tatsächlich: sie hatten ihr Wort gehalten, hatten das ganze Geld, das ich ihnen gegeben hatte, wirklich an die Schule weitergegeben und sagten auch die Wahrheit über die Zustände in der Schule. Es war ein gutes Internat für die Verhältnisse in Uganda. Martin umarmte mich glücklich als er mich sah und zeigte mir begeistert sein neues Zimmer, das er mit ca. 20 anderen Kindern teilte.

Ich kämpfte mit meinen Tränen und war überglücklich. Ich konnte einem kleinen Menschen die Schulbildung ermöglichen! Zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich wirklich nützlich und gebraucht.

Ich lud die jungen Männer zu einem Essen ein, da ich sehr stolz auf sie war. Ich schlug ihnen vor, weiterhin Taten wie diese durchzuführen. Meine Idee wurde freudig aufgenommen und weitergesponnen, nachdem auch sie Ideen einbrachten und wir zusammen ein Gerüst formten, das eine eigene Organisation zum Ziel hatte. Ich allein trank Bier. Die anderen hatten niemals zuvor den Drang, Bier zu probieren. Also trank ich allein und bestellte sogleich das zweite (Nile ist ein sehr starkes Bier, ups). Etwas angeheitert fuhren wir zurück zur Organisation und ich legte mich bald nieder, um meinen winzigen Rausch auszuschlafen (haha).

 

 

Neue Freundschaften

Am nächsten Morgen lernte ich Farouk, Isaac, Ronald und Edrine kennen. Dabei handelt es sich um junge Männer, die zwischen 20 und 23 Jahre alt waren. Auch sie lebten in der Organisation, da sie vor einigen Jahren als Waisenkinder aufgenommen wurden. Da sie bis dato noch keine Arbeit gefunden hatten, beschloss die Organisation von Elli

 

, ihnen länger Unterkunft zu gewähren (obwohl dies in Uganda nicht üblich war. Mit 18 hat man das Haus der Eltern zu verlassen und selbstständig zu sein). Isaac war eine Ausnahme. Er war beinahe blind und deshalb nicht fähig für Unterhalt aufzukommen. Obwohl er sehr intelligent und vernünftig erschien, ist es ihm in Uganda unmöglich, einem ordentlichen Beruf nachzukommen.

Die Guys erzählten mir vorsichtig, dass sie bereits im August das Waisenhaus verlassen würden, da sie einfach schon zu alt geworden sind und nicht länger unselbstständig sein wollten. Sie würden dann gemeinsam ein Business gründen, wie sie damals glaubten.

Edrine hätte nicht das Geld besessen, die Volksschule ganz abzuschließen. Deshalb ist sein Englisch eindeutig am schlechtesten. Als er mir eines Morgens seine Lebensgeschichte erzählen wollte, verstand ich ihn nicht. Ich bat ihn, langsam zu sprechen und einiges zu wiederholen, doch es hatte keinen Sinn. Aus Höflichkeit und Respekt nickte ich schlussendlich, so als ob ich alles verstanden hätte. Dann war er erleichtert und freute sich darüber. Die Informationen, die ich nicht verstand, holte ich heimlich von den anderen Männern ein. Edrine war ein sehr armes Kind, das ein sehr schweres Leben zu meistern hatte. Seine Mutter kannte er kaum, da sie ihn weggegeben hatte, um selbst zu überleben. Er hatte also kaum einen Menschen, der ihn aufrichtig liebte. Er kann allerdings wahnsinnig gut balancieren. Niemals zuvor sah ich einen Menschen, der so viel erlebt hatte und dennoch so leichtfüßig über ein Seil schwebte, das zwischen zwei Bäumen gespannt war. Er sprang, lief und ging rückwärts darüber, als wäre es das einfachste der Welt. Auch sollte ich einmal mit voller Kraft am Seil schütteln und versuchen ihn abzuwerfen. Doch ich hatte keine Chance. Er blieb stolz und lachend auf dem Seil „kleben“. Eine volle Stunde zeigte er mir die verrücktesten Kunststücke. Ich war fasziniert und applaudierte eifrig.

Danach schlug Edrine vor, das Dorf, in dem seine Tante und sein Bruder wohnten, zu besichtigen. Ich war gespannt und willigte sofort ein. Farouk begleitete uns. Es war nicht sehr weit weg, doch die Sonne schien sehr stark auf unsere Köpfe, sodass ich bald müde und erschöpft war.

Irgendwann erlaubten sie sich einen Spaß mit mir, indem sie mir rote Chili-Schoten zeigten, die angeblich überhaupt nicht scharf sein würden. Sie pflückten sie und forderten mich auf, sie zu kosten. Mutig nahm ich sie und stopfte sie als Ganze in meinen Mund. Eifrig biss und kaute ich daran, ehe etwas Unangenehmes meine Mundhöhle ausfüllte. Ein Feuer, das dem Fegefeuer glich, hatte sich in meinem Mund ausgebreitet und verbrannte meine gesamte Zunge. Ich schrie und hüpfte vor Schmerz auf und ab und warf ihnen Schimpfwörter auf Deutsch an den Kopf, da ich nicht mehr in der Lage war, sie vorher zu übersetzen. Sie lachten mich aus und klopften mir bald auf die Schulter. „Brave, little girl!“ Ich knurrte.

Das Dorf war nicht mehr weit. Als wir ankamen, bemerkte ich den kohleartigen Gestank in der Luft. Die Häuser bestanden beinahe alle aus Lehm, der teilweise von den Wänden bröckelte. Einige Häuser hatten nicht einmal ein Dach. Viele Tiere standen angebunden daneben und fraßen schlechtes Stroh.

Die meisten Menschen saßen draußen auf einer Plastikablage und sahen mich fasziniert an. Sie wuschen, kochten oder verkauften Kleinigkeiten, während sie den ganzen Tag auf der selben Stelle saßen. Strom oder Wasser gab es nicht. Die Frauen trugen Plastikkanister auf ihren Köpfen, um Wasser in ihr Heim zu holen. Die Kinder winkten mir vergnügt zu und liefen mir einige Meter nach, um mich zu bestaunen. „Musungo!“, schrien sie aufgeregt. „Die Weiße!“

Schon bald blieben wir an einer Bruchbude stehen und Edrine stellte mir seine Verwandten vor. Im winzigen Haus selbst war kaum etwas. Bloß eine alte, dreckige und kaputte Couch stand darin und diente als Bett. Auf einem kleinen Holzregal waren Plastikteller und Becher. Dicke Fliegen schwirrten durch den verrauchten Raum. Peter, so der Name von Edrines Bruder kam aus einer dunklen Ecke, die mir vorher nicht aufgefallen war und stellte sich schüchtern vor. Edrines Tante bot uns einen Tee an und schnitt uns verschiedene Früchte zurecht, die sie uns liebevoll auf einen Teller legte. Diese Gastfreundschaft überwältigte mich. Niemals hätte ich gedacht, dass derartig arme Menschen einem reichen Mädchen aus Österreich neidlos etwas schenken würden. Als ich ihr ein bisschen Geld für ihre Gaben anbot, verneinte sie lächelnd. Die Frau sprach kein Englisch, doch übersetzten mir die Jungs das wichtigste.