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Als ich wenige Wochen später erschöpft und völlig nervös in Uganda ankam, erkannte ich am Ausgang des Flughafens drei Mitarbeiter von der Organisation, die aufgeregt ein Schild mit meinem Namen in die Höhe hielten. Sie begrüßten mich sehr freundlich, doch verstand ich kaum ein Wort von dem fremdklingenden Englisch, das sie sprachen. Ich war mittlerweile nicht mehr ganz schlecht in der englischen Sprache, doch kam ich mir nun wieder wie eine Fünferkandidatin vor (in der Schule war ich echt katastrophal, oh Mann). Ihren Akzent musste ich erst mal verdauen.

Da Uganda früher eine englische Kolonie war, ist Englisch ein Pflichtfach in der Schule,  jedoch wird es nicht immer im Alltag gesprochen (nur noch in den meisten Schulen).  Ich gewöhnte mich schnell an ihre Aussprache  und unterhielt mich schüchtern mit meinen neuen Freunden, während wir mit einem alten, rostigen Auto einige Stunden viel zu schnell durch die Gegend Ugandas fuhren (den TÜV Test würde es niemals bestehen, haha!)

Als wir abends endlich fix und fertig im Organisationshaus ankamen, stürmten sofort einige Kinder herbei und umarmten mich aufgeregt. Mir wurde erklärt, dass hier Kinder leben würden, die entweder keine Eltern hätten oder ihre Eltern kein Geld für sie aufbringen konnten. Deshalb leben sie vorübergehend im Haus der Organisation, das für mich anfangs befremdlich und äußerst schmutzig wirkte. Viele von ihnen lebten jedoch schon sehr lange da, sodass die Organisation bereits zu ihrer neuen Familie geworden ist.

Ich war müde, erschöpft und ratlos, also bezog ich schnell mein Wellblechhüttenzimmer. In den anderen Zimmern, die meinem ähnelten, schliefen ungefähr 5-6 Menschen. Ich hatte eines ganz allein. Ich kam mir deshalb etwas schlecht vor. Auch mein Bett war sehr groß, weich und teuer (das merkte man an der Holzverarbeitung).

Obwohl ich sehr müde, ängstlich und erschöpft war, kam ich nach ungefähr einer Stunde aus meiner Unterkunft und aß mit der Hausmutter und den Kindern zu Abend. Es gab Reis und einen Bohnenmatsch. Alle anderen aßen mit ihren Fingern, nur ich bekam eine Gabel in die Hand gedrückt. Dies machte mein ungutes Gefühl gegenüber ihnen nicht unbedingt leichter. Ich fühlte mich wie eine zu unrecht gekrönte Königin. Ich war noch etwas verschlossen und sprach nur selten, doch waren alle anderen sehr neugierig auf mein Leben in Europa.

Deshalb bat ich die Kinder, in mein Zimmer zu kommen, um ihre Fragen zu beantworten und mir im Gegenzug dazu über ihren Tag in der Schule zu berichten. Ich schloss sie auf Anhieb in mein Herz und erzählte ihnen etwas über Schnee, Häuser in Österreich und Ampeln (sie haben dort keine Ampeln, nicht mal Zebrastreifen oder andere Bodenmarkierungen, aaahhh). Die Kinder konnten sich nur schwer vorstellen, was ich meinte. Sie lachten mich deshalb sehr oft aus, ehe ich ihnen Fotos zeigte.

Zum Schluss sangen sie mir mit Begeisterung ein afrikanisches Lied vor. Dazu verwendeten sie alte Dosen, die sie als Trommeln verwendeten! Ihre kräftigen Stimmen klangen ehrlich, rein und wunderschön. Danach umarmten sie mich erneut und wünschten mir eine gute Nacht. Ein Kind, Simon sein Name, zeigte mir noch die Latrinen, ehe er zu Bett ging. Mit der Taschenlampe bewaffnet, schlich ich also dorthin. Diese bestanden aus einem Loch im Boden, das ungefähr 20 x 10 cm groß war. Man brauchte also viel Übung, wenn man denn richtig „treffen“ wollte. Über die dicken Fleischfliegen und die hässlichen Kakerlaken, die sich schnell verkrochen, wenn man durch die Holztür trat, durfte man nicht nachdenken, wenn man sich nicht in die Hose machen wollte (ich nahm schon bald schädliche Tabletten, die meinen Stuhlgang verhinderten, doch alles war besser als das! Puh!). Solche Latrinen, wie eben beschrieben, sind jedoch völlig alltäglich in Uganda. Die Menschen lachten, wenn sie mein angewidertes Gesicht sahen und ich ihnen jedes Mal sagte, dass ich nun meinen besten Freund (die Latrine) besuchen musste. Sie waren es jedoch längst gewöhnt, dass europäische Menschen etwas verstörend auf die Löcher im Boden reagierten.

Sie wussten genau, dass es für die westliche Welt etwas eigen war. Aber sie mochten meinen Humor, wenn ich ihnen dann jedes Mal berichtete, wie viele Kakerlaken denn an den Wänden sitzen würden (wenn sie sich nicht gleich versteckten). In den nächsten Nächten, wenn kaum noch etwas zu erkennen war und die Menschen schon schliefen, bevorzugte ich es, in eine leere Kaffeedose zu pinkeln, die ich am nächsten Morgen heimlich ausleerte. Mit der Zeit bekommt man genug Übung, damit man nichts „verschüttete“. Oh Mann!

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